Was ist eine Lernwerkstatt?

Die Lernwerkstatt ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich ein Konzept der frühen Reformpädagogik inzwischen einen festen Platz in Regel-Einrichtungen erobert hat. Manchen Lehrern ist es vielleicht gar nicht bewusst, dass in einer Lernwerkstatt wesentliche Grundsätze der Reform- und Montessoripädagogik umgesetzt werden.

Heute finden sich Lernwerkstätten in Bildungseinrichtungen für jedes Alter. Bereit Kindertagesstätten oder Kindergärten arbeiten sehr gern mit diesem Modell, Schulen und Horte greifen das Prinzip der Lernwerkstatt erfolgreich auf und auch in der Berufsausbildung oder im Studium findet es Verwendung.

Definition

Laut Wikipedia ist eine Lernwerkstatt …

„ … in der modernen Pädagogik eine materialreiche Lernumgebung für schulisches und außerschulisches Lernen, in deren Zentrum praktisches und eigenaktives Lernen sowie Lernen durch eigene Erfahrungen steht.“

Die Lernwerkstatt ist also ein Bildungsraum, in dem Kinder (oder Erwachsene) selbstbestimmt genau das lernen können, das sie interessiert und das ihrem momentanen Wissensstand entspricht. Dabei spielen die Bereiche Forschen, Entdecken und Experimentieren eine übergeordnete Rolle.

Die Vorbereitete Umgebung

Nach dem Prinzip der „Vorbereiteten Umgebung“ werden den Kindern in einem Raum von den Pädagogen hergerichtete Ecken angeboten, in denen z.B. naturwissenschaftliche Experimente durchgeführt werden können.

Das Kind bekommt also eine Menge Angebote und kann sich für das Interessanteste entscheiden. Seine Neigungen und Vorlieben werden dabei voll respektiert und berücksichtigt. Je größer der Freiraum, je verlockender die Angebote für das Kind sind, desto mehr Begeisterung wird es dem Objekt seiner Wahl entgegenbringen.

Pädagogen als Lernbegleiter

Die Pädagogen übernehmen in einer Lernwerkstatt die Rolle der Lernbegleiter, die sich nur bei Bedarf einschalten und das Kind unterstützen. Es findet also kein Unterricht statt im klassischen Sinne, sondern auf Wunsch eine individuelle Begleitung. Die Pädagogen werden in der Lernwerkstatt dadurch selbst zu Lernenden. Da sie nicht im Frontalunterricht ihr Wissen zu Besten geben, sondern sich selbst immer wieder auf unbekannte Wissensgebiete einlassen müssen, liegt das Wissensmonopol nicht mehr bei den Pädagogen, sondern vielmehr bei jedem einzelnen Schüler, der seine Entdeckungen macht.

Warum ist Montessori-Material besonders gut für eine Lernwerkstatt geeignet?

Besonders die folgenden drei Gründe sprechen dafür, warum gerade die Montessori-Materialien ideal für die Ausstattung einer Lernwerkstatt geeignet sind:

  • Montessori-Material hat einen hohen Aufforderungscharakter, d.h. das Material selbst lädt dazu ein, es zu entdecken
  • Montessori-Material ist größtenteils selbsterklärend, d.h. es kommt gut ohne lange Anleitungen aus und kann ohne Vorkenntnisse benützt werden
  • Montessori-Material wird von vielen Anbietern mitsamt einer Arbeitskartei angeboten, die dem Kind selbständiges Arbeiten mit Selbstkontrolle ermöglicht.

Ideen für die Ausstattung einer Lernwerkstatt

Bevor sie ans Einrichten ihrer Lernwerkstatt gehen, machen sie doch einmal eine Umfrage bei ihren Schülern, was sie besonders interessieren würde. Einige Ideen lassen sich mit etwas Fantasie sicher auch ohne großen finanziellen Aufwand verwirklichen.

Da Experimente bei Kindern besonders beliebt sind, bietet sich ein naturwissenschaftlicher Schwerpunkt bei einer Lernwerkstatt an. Dabei kommen z.B. die Bereiche Mechanik, Chemie oder Biologie in Frage. Aber auch die Bereiche Mathematik, Deutsch, Praktisches Leben oder Sinnesmaterialien lassen sich gut für die einzelnen Arbeitsecken verwenden.

Stellvertretend für nahezu alle Montessori-Materialien, die ausgezeichnet für die Gestaltung einer Lernwerkstatt geeignet sind, soll hier exemplarisch kurz ein Material vorgestellt werden, dass die Kinder immer wieder fasziniert:

Geschmacksfläschchen mit Holztablett

Geschmacksfläschchen mit Holztablett
Zum Material

Die 8 Geschmacksfläschchen werden paarweise mit den grundliegenden Geschmacksrichtungen salzig, süß, bitter und sauer befüllt. Das Kind kann nun durch Testen der Inhalte die 4 richtigen Pärchen zuordnen.

Mit den Geschmacksfläschchen kann das Kind seinen eigenen Geschmackssinn erforschen, Assoziationen zu bekannten Lebensmitteln schaffen und Vorlieben oder Abneigungen kennenlernen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Lernwerkstatt auf die Reformpädagogik zurückgeht und ihre Prinzipen der Selbständigkeit und Entdeckerfreude in die Regelschulen bringt.