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Bewegung

Geschichtlicher Überblick über Sport und Bewegung

Bereits die alten Griechen unterrichteten ihren Nachwuchs nicht nur in den Wissenschaften, sondern trainierten auch ihre Körper an den Gymnasien. Erinnern wir uns daran, dass die Olympischen Spiele im antiken Griechenland initiiert wurden. Der Begriff „Gym“ hat sich als Bezeichnung für das Fitness-Studio bis heute gehalten. Im überwiegend leibesfeindlichen Mittelalter spielte körperliche Ertüchtigung nur im Rittertum eine Rolle.

Im Preußen des 19. Jahrhunderts herrschte dann ein unbarmherziger Drill in den Sportstunden. Der Sportunterricht dieser Zeit glich eher einem Exerzierplatz. Mit eiserner Disziplin, Ehrgeiz und Gehorsam waren Punkte zu machen und wer da nicht mithalten konnte, war kein würdiges Gesellschaftsmitglied. Auch dem berühmten Turnvater Jahn ging es weniger um den Spaß seiner Zöglinge, als um die Erziehung zu wehrhaften jungen Männern, die vor allem gegen den Erzfeind Frankreich ihren Einsatz finden sollten. Überhaupt sah man den Schulsport in dieser Zeit vor allem als Wehrertüchtigung, also als reines Mittel zum Zweck.

Haben Frauen früher auch Sport getrieben?

Allerdings war die körperliche Ertüchtigung im alten Preußen ein fragwürdiges Privileg des männlichen Geschlechts, Mädchen wurden schlichtweg für zu schwach befunden. Aber auch moralische Bedenken sprachen gegen die Ausübung von Sportarten wie z.B. das Bockspringen. Eine Frau hatte ihre Beine in der Öffentlichkeit geschlossen zu halten. Im Lauf der Zeit eroberten sich die Frauen langsam eine Sportart nach der anderen – allerdings häufig mit Einschränkungen. So durften Frauen zwar reiten, aber bitte nur im Damensitz, also mit beiden Beinen zu einer Seite gelegt. Absurd, weil sie so kaum Halt finden konnten auf dem Pferderücken, aber öffentlich die Beine zu öffnen- unschicklich und undenkbar für eine damalige Frau.

Das heutige Verständnis von Sport und Bewegung

In den letzten 100 Jahren hat sich unser Verständnis von Körper, Bewegung und Sport grundlegend verändert. Seit den 1970-iger Jahren boomt plötzlich das Geschäft mit der Fitness und dem Körperkult. Aerobic-Schulen, Trimm-dich-Pfade und Body-Building-Schulen schießen wie Pilze aus dem Boden, in den Schulen wurde der Sportunterricht den Bedürfnissen der SchülerInnen angepasst. Nicht mehr eiserne Disziplin, sondern spielerischer Wettkampf und ein ganzheitliches Körper-Seele-Verständnis stehen von jetzt an im Mittelpunkt des Sportunterrichts. Ein sportlicher Körper gilt als modern und gesund. Sport gehört einfach zu einem aktiven, gesundheitsbewussten Leben dazu.

Sport und Bewegung in der Schule

Der heutige Schulsport geht weit über die körperliche Ertüchtigung hinaus. Die SchülerInnen sollen ihre körperlichen Fähigkeiten kennenlernen und stärken. Sie sollen lernen, im Team zu spielen, dem Gegner gegenüber fair zu bleiben und Gemeinschaftssinn zu entwickeln. Sie haben die Möglichkeit, verschiedene Sportarten auszuprobieren und ihre Favoriten zu entdecken. Der moderne Sportunterricht findet nicht nur in der Turnhalle, sondern auch im nahegelegenen Park oder im Schwimmbad statt. Vielseitigkeit, Abwechslung und Spaß sind wichtige Kategorien im Sportunterricht geworden.

Balance-Material nach Maria Montessori

Maria Montessori wusste um die engen Zusammenhänge von Gehirn, Bewegungsapparat und Seele. Das Balancieren, sei es auf einem dicken Seil oder mit einer Kugel auf der Liegenden Acht, ist weit mehr als eine Geschicklichkeitsübung. Beim Balancieren werden beide Gehirnhälften aktiviert und miteinander in Verbindung gebracht. Das führt dazu, dass beide Gehirnareale für kognitive Prozesse besser genützt werden können. Auch besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem physischen Gleichgewichtssinn und der inneren Balance und Ausgeglichenheit. Kinder, die über wenig innere Stabilität verfügen, werden sich eher schwer tun, auf einem Bein zu stehen. Intensives körperliches Balance-Training führt im Umkehrschluss dazu, die seelische Ausgeglichenheit zu vergrößern. Es geht also um nichts weniger als die Resilienz unserer Kinder und Jugendlichen.

Kognitive Bewegungsspiele nach Maria Montessori

Es gibt eine Vielzahl von Montessori-Lernspielen, die ganz bewusst die körperliche Bewegung miteinschließen. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist der Rechenkreis. Ein kreisrunder Teppich mit einem Durchmesser von 2,30 m zeigt Zahlen und Stellenwerte an. Sowohl Aufgaben mit und ohne Übergang können auf dem Teppich durch das Hüpfen auf die richtigen Zahlen gelöst werden. Ideal für den Lernprozess ist die Verknüpfung von geistiger und körperlicher Aktivität. Das Spiel in der Gruppe stärkt den Gemeinschaftssinn und damit positive Emotionen. So wird der Lerninhalt auf optimale Weise im Gehirn verankert. Der Rechenkreis lädt auch dazu ein, Zahlen einmal anders darzustellen und wahrzunehmen, nämlich in konzentrischen Ringen, die die Zehnerstufen darstellen. Durch die Größe des Teppichs wird das periphere Sehen und die ganzheitliche Wahrnehmung geschult.

Bewegen heißt Erleben. Wenn wir etwas erleben, fühlen wir. Was wir fühlen, ist unsere ganz eigene, wichtige Sache. Die Bereitschaft des Gehirns, so eine persönliche Sache gut abzuspeichern, ist ungleich größer als bei einem rein kognitiv erworbenen Lerninhalt.

Viele Materialien der Montessori-Pädagogik machen sich genau diese Erkenntnis zunutze. Bewegungswürfel, Balancier-Bretter oder die Liegende Acht helfen den Kindern, als ganze Menschen mit Körper, Seele und Geist lernen zu dürfen.