Montessori - gerechtes Zuhause

Wie ein Montessori-gerechtes Zuhause gelingt

Das eigene Zuhause ist vor allem Eines: Ein Freiraum, der in einer standardisierten Welt die Möglichkeit zur individuellen Entfaltung, zum persönlichen Rückzug und zur Regeneration bietet. Es ist bestimmt nicht der Raum, für den pädagogische Standards aufzustellen und akribisch zu befolgen sind. Dennoch seien hier ein paar Ideen und Tipps erlaubt für Menschen, die sich auch Zuhause von der Montessori-Pädagogik inspirieren lassen wollen.

Raumgestaltung

Auch in der Montessori-Pädagogik gilt der Grundsatz: „Weniger ist oft mehr.“ Besonders kleine Kinder sind in einer übersichtlichen und reizarmen Umgebung besser aufgehoben als inmitten einer Überfülle an optischen, akustischen und haptischen Reizen. Es ist kein Zufall, dass die typischen Baby-Farben aus sanften Pastelltönen bestehen. Die Wahrnehmung des kleinen Kindes ist noch ganz feinsinnig und sollte keinesfalls durch zu starke Reize irritiert werden.

So macht zum Beispiel im Zimmer eines Zweijährigen eine große Foto- oder Bilderwand keinen Sinn. Dem Kind bieten sich hier so viele Reize auf einmal, dass es sie nicht richtig aufnehmen kann und schnell das Interesse verliert.

Besser wäre ein einziges Bild, das gut ausgesucht und vielleicht schön gerahmt an einer ausgewählten Stelle hängt. Vermutlich jeder Erwachsene weiß heute noch, welche Bilder sein Kinderzimmer schmückten. Eine passende Wahl ist dabei wichtiger als viel Abwechslung.

Ein Stück weit gehen Montessori-Pädagogik und Minimalismus durchaus zusammen. Je weniger Möbel zum Beispiel in einem Zimmer stehen, umso mehr Raum haben die wenigen Dinge darin, die da sind. Der freie Raum verstärkt ihre Wirkung und ermöglicht zudem eine klare Orientierung. Der Geist kann sich entspannen und besser auf Wesentliches konzentrieren.

Einrichtung

Beim Einrichten nach Montessori-Grundsätzen kommt es darauf an, den Kindern ein Höchstmaß an Selbständigkeit zu ermöglichen. Kleine Möbel, Regale und Schränke in Reichweite, Materialien auf Augenhöhe – zumindest die Kinderzimmer sollten mit den Augen des Kindes gesehen und auch so eingerichtet werden. Achten sie darauf, dass Wasserhähne oder Lichtschalter vom Kind erreicht werden können und erleichtern sie den Zugang durch kleine Fußhocker. Zum selbständigen Arbeiten können eine Waschecke, eine Putzecke oder eine Forschungsecke eingerichtet werden.
Sehr ansprechend sind auch Bücherregale, in denen die Bücher ausgestellt werden können und dazu einladen, in die Hand genommen und gelesen zu werden.

Bücherregal mit Stofffächern

Zum Material

Das klassische Montessori-Material ist tatsächlich in erster Linie für den Gebrauch in pädagogischen Einrichtungen entwickelt. Das soll nicht heißen, dass Zuhause kein Montessori-Material verwendet werden darf. Aber in der Regel bedarf es dabei der Einführung durch einen versierten Erwachsenen. Außerdem handelt es sich hier um Entwicklungsmaterial. Es ist also auch eine bestimmte Reihenfolge im Einsatz der Materialien zu beachten.

Vielleicht geht es hier mehr um die Umsetzung der Montessori-Pädagogik im Alltag. Wie kann ich mein Kind beim Ordnung halten unterstützen? Wenn ich auf sein Tischset die Anordnung des Tellers und des Bestecks male oder auf die Fußmatte die Fußabdrücke vorzeichne, unterstütze ich mein Kind bei alltagspraktischen Tätigkeiten und lerne ihm ganz nebenbei Begriffe wie links und rechts. Ein Wochenplan, in dem die regelmäßigen Aktivitäten aller Hausbewohner vermerkt sind, erleichtert die Kommunikation.

Ein geeignetes Material für Zuhause, das sie kaufen können, ist zum Beispiel die Tast- und Fühlwand. Hier können Kinder und Erwachsene gemeinsam raten und Spaß haben. Die versteckten Gegenstände, die es zu erfühlen gilt, können je nach Schwierigkeitsgrad von Kindern unterschiedlichen Alters ertastet und erraten werden.

Tast- und Fühlwand Sinnesspiel

Zum Material

Geben sie bei der Einrichtung und bei der Wahl der Spielsachen immer natürlichen Materialien wie Holz den Vorzug vor Plastik. Lieber ein Spielzeug weniger, doch dafür in umweltfreundlicher und guter Qualität.

Ein Montessori-gerechtes Zuhause ist in jedem Fall ein Zuhause, das vom Kind maßgeblich mitbestimmt wird. Es wird mit dem Kind mitwachsen und viel Raum für eigene kreative Ideen bieten.