Montessori Pädagogik

Angstfreies Lernen mit Montessori

7 May, 2020

Montessori-Pädagogik

Kaum ein Begriff ist Maria Montessori so zentral wichtig wie der Begriff der Freiheit. Wer frei ist, kann selbst entscheiden. Er hat Freiraum und wird nicht so leicht von der Angst in eine Ecke getrieben. Eine geglückte Montessori-Pädagogik schafft immer auch ein Klima der Angstfreiheit. Die Möglichkeit, Entscheidungen selbst zu treffen, gibt Montessori- Kindern Sicherheit und Kompetenz. Indem sie Kinder ermächtigt und ihnen durch die ermöglichte Selbstbestimmung und Selbständigkeit ein gesundes Selbstvertrauen schenkt, wirkt die Montessori-Pädagogik kindlichen Ängsten und Angststörungen entgegen.

 

Was macht Angst mit uns?

Wer Angst hat, erlebt eine übermächtige Außenwelt: Wo sonst der Alltag einen gewissen Spielraum lässt für eigene Ideen und Wünsche, bestimmt mit einem Mal die Angst darüber, wie man denkt, fühlt, atmet oder schläft. Nicht ohne Grund quält die Angst uns häufig in der Nacht: Wenn die Welt verstummt, steigt sie aus dem Unbewusstsein auf und raubt uns den Schlaf. Wenn wir uns bedroht fühlen, halten wir krampfhaft fest, was wir noch unter Kontrolle haben und zahlen dafür einen hohen Preis:  Ohne Loszulassen können wir auch keine echte Entspannung finden. Ohne Entspannung geraten wir früher oder später aber in die Erschöpfung.

 

Angst bei Kindern

Auch wenn nicht alle Kinder z.B. mit den ganzen Ausmaßen von Covid 19 konfrontiert werden, übertragen sich doch die Ängste und Sorgen der Erwachsenen auf sie. Selbst, wenn sich die Eltern nichts anmerken lassen, spüren die Kinder ihre Anspannung und ihren Stress. Besonders solche Kinder, die wegen einer Einschränkung stark an der Alltagsroutine und ihren Ritualen festhalten. Ein behindertes Kind etwa, das wegen Corona seit Wochen zu Hause bleibt und auf die Tagesstruktur, die Pädagogin und die Spielkameraden verzichten muss, ist vielleicht stark verunsichert und deshalb auch angstanfällig. Das kann sich durch einen vermehrten Rückzug oder auch durch auffallend aggressives Verhalten äußern.

 

Wie hilft die Montessori-Pädagogik bei Angst?

Wie können Eltern oder Pädagogen nun dem Kind helfen und sein Vertrauen stärken? Ich denke nicht, dass wir einem Kind einfach die Angst nehmen können. Wir können aber eine liebevolle Umgebung schaffen, in der es dem Kind leichter gelingt, aus eigener Kraft wieder Mut zu fassen. Wer Angst hat, ist nicht mehr Herr oder Frau im Haus. Deshalb geht es darum, Stück für Stück die eigene Souveränität zurückzugewinnen. Dazu gehört unbedingt ein positives Selbstbild. Wenn ein angstbesetztes Kind seinen eigenen Wert nicht mehr wahrnehmen kann, können die Anderen ihm viel davon zurückgeben. Indem sie dem Kind ein Angebot machen, sich zu beweisen, ermöglichen sie ihm Bewältigung und Erfolg. So erlangt das verunsicherte Kind wieder Selbstvertrauen und Zuversicht. Ein weiterer zentraler Aspekt sind Beziehungen. Wenn das Kind erlebt, dass sich Erwachsene und Kinder gern mit ihm beschäftigen und freundlich sind, wird auch sein Selbstbild zunehmend positiver. Wem Interesse, Geduld und Sympathie entgegengebracht werden, lernt wieder, anderen Menschen zu vertrauen und nicht nur auf die Angst im Inneren zu hören. Wer wieder an sich selbst glaubt, dem kann die Angst nur bedingt etwas anhaben.

 

Hier findet ihr die Geschichte "Wie Anton die Angst umarmte", die Kindern nicht nur in Corona-Zeiten Mut macht.

Autorin: Marie Laschitz

Bildnachweis: Shutterstock/Suzanne Tucker