Montessori Pädagogik

Konzentration trainieren mit Montessori

24 Jan, 2018

Maria Montessori

Maria Montessori arbeitete von Anfang an auch mit entwicklungsverzögerten und lernschwachen Kindern. Diese Kinder haben oft große Schwierigkeiten, sich auf ein Thema einzulassen und bei einer Sache zu bleiben. Deshalb hat die Pädagogin Unterrichtsstrukturen und Materialien entwickelt, die die Konzentrationsfähigkeit aller Kinder fördern und stärken können. Montessori erkannte, dass dieses Potential zur ungeteilten Aufmerksamkeit allen Lernerfolgen zu Grunde liegt. Ohne die Gabe, ausgewählte Objekte in den Focus zu nehmen und mit der Aufmerksamkeit dabei zu verweilen, ist kein Erkenntnisprozess möglich. Besonders bei Kindern und Jugendlichen, die mit einer Aufmerksamkeitsstörung zu kämpfen haben, werden mit dem Montessori-Material sehr gute Erfolge erzielt.

 

Tagesablauf

Bereits der Tagesablauf einer Montessori-Einrichtung ist so strukturiert, dass er sich an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientiert und einen gesunden Wechsel von Arbeitsphasen und Pausen bietet. Konzentration kostet viel Energie und ist nur eine bestimmte Zeitlang möglich. Restaurative Phasen der Erholung und Entspannung sind daher genauso notwendig wie intensive Arbeitsphasen.

 

Sitzkreis

Die Versammlung im Sitzkreis, meist auf einem großen runden Montessori-Teppich und um eine ansprechend gestaltete Mitte herum, findet in sehr vielen Einrichtungen regelmäßig statt und unterstützt die Kinder dabei, gemeinsam anzukommen und ihre Aufmerksamkeit nach außen zu richten. Oft hilft auch ein Begrüßungsritual, jedes Kind anzusprechen und willkommen zu heißen. So kommen die Kinder wirklich an in ihrer Kita oder Schule und sind gespannt, was der neue Tag bringen wird. Wenn der Pädagoge oder ein Kind sprechen, üben sich die anderen im Zuhören. Diese gemeinsame Präsenz ist ein wunderbarer Einstieg in das konzentrierte Arbeiten, das am Vormittag folgt.

 

Alleinstellung von Lerninhalten

Die Montessori-Pädagogik zeichnet sich immer wieder durch die Reduzierung, die Vereinfachung und die Alleinstellung von Lerninhalten und Materialien aus. So wird z.B. in der 3-Stufen-Lektion jeder Schritt einzeln und klar getrennt vom nächsten durchgeführt. Zunächst wird vom Pädagogen eine Sinneswahrnehmung mit einem Begriff verknüpft, dann nimmt das Kind diese Verknüpfung aufmerksam wahr und zuletzt erinnert es die Verknüpfung und benennt die betreffende Sache.

 

 

Einige Beispiele für Montessori-Materialien, die die Konzentration trainieren:

 

Kleinkindermaterial

Das Kleinkindermaterial von Montessori zeichnet sich durch Eindeutigkeit, Einfachheit und einen hohen Aufforderungscharakter aus. Die Aufgabenstellung muss weder erklärt noch vorgeführt werden. Das Kind wird vermutlich solange probieren, bis es Erfolg hat. So findet es immer mehr in die Konzentration und wird durch das Gelingen belohnt.

Imbucare-Kasten mit vier Formen

 

Sinnesmaterial
Der rosa Turm und der Montessori-Turm zählen zu den klassischen Materialien, mit denen Kinder zur Konzentration und zum vertieften Arbeiten kommen können. Idealerweise werden hier kognitive Fähigkeiten mit motorischem Geschick kombiniert.

Rosa TurmMontessori-Turm

Generell eignen sich viele Sinnesmaterialien zur Förderung der Konzentration, da eine Focusierung auf einen Sinn erfolgt. Wenn sich z.B. ein Kind auf ein Fühlmemo konzentriert, schließt es vielleicht sogar die Augen, um besser hinspüren zu können. Durch die Filterung der anderen Sinne wird hier die Konzentration auf den Tastsinn verstärkt.

Fühlmemo mit 10 Einsätzen

 

Mathematik

Auch das mathematische Material von Montessori zeichnet sich durch große Evidenz und Klarheit aus. Abstrakte Zahlen materialisieren sich als Perlen, Stäbchen oder Figuren, die stabil und sichtbar bleiben, auch wenn das Kind mit seinen Gedanken kurz abschweift. Das Material stellt also eine anhaltende Einladung da, sich immer wieder neu einer Aufgabe zuzuwenden und darauf zu konzentrieren. Indem mathematische Aufgaben visualisiert und verdeutlicht werden, erleichtert das Mathematerial die Focusierung und Zentrierung der Schüler.