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Montessori Pädagogik

Der Erdkinderplan

1 Sep, 2017

Der Erdkinderplan

Maria Montessori unterteilte die kindliche Entwicklung in 3 Phasen von jeweils sechs Jahre Länge ein und entwickelte für jede Altersstufe speziell abgestimmte Lernmittel und Lernmethoden. Besonders Jugendliche haben ganz besondere Bedürfnisse, Kompetenzen und Herausforderungen, denen eine altersentsprechende Erziehung gerecht werden möchte. In der Altersstufe von 12 - 18 Jahre leisten die Kinder und Heranwachsenden den

 

Übergang von der Mentalität des Kindes, welches innerhalb der Familie lebt,

zur Mentalität des Erwachsenen, welcher in der Gesellschaft leben muss". 

                                                                                                      Maria Montessori

 

In der Pubertät befindet sich das Gehirn sozusagen "im Umbau". Bestehende neuronale Verbindungen werden abgebaut und neue Verbindungen geknüpft, das logische Denken wird ind diesen Prozessen der neuronalen Neustrukturierung und durch die hormonellen Umstellungen oft völlig blockiert. Druck und Zwang bewirken hier oft nur, dass sich der Jugendliche völlig verschließt und keinerlei Leistungsbereitschaft mehr zeigt. Montessori hat deshalb für das Lebensalter von 12 bis 18 Jahren ein ganz spezifisches Bildungskonzept entwickelt, den Erdkinderplan. Er beinhaltet eine radikale Abwendung vom Konzept der Montessori-Grundschule, indem es ausschließlich praxisorientiert ist und den Jugendlichen ein Höchstmaß an Selbstbestimmung und Verantwortung ermöglicht. Es handelt sich mehr um eine "Erfahrungsschule", in der die Jugendlichen hauptsächlich körperlichen Tätigkeiten nachgehen und ganz unmittelbar Lebenserfahrungen sammeln.

Die "Vorbereitete Umgebung" für Jugendliche besteht demnach aus einem Lebensraum, der sowohl die Natur als auch die Kultur als Übungsfeld sehen, in dem sich der Jugendliche beweisen und verdient machen kann. Im ländlichen Raum können die Jugendlichen in der Landwirtschaft, im Handwerk, in der Gastronomie und ähnlichen Bereichen ihre Begabungen entdecken und ihre Fähigkeiten erproben.

 

Folgende Anlaufstellen eignen sich besonders gut zur Umsetzung des Erdkinderplans:

- ein Bauernhof, als Stätte der Produktion

- ein Geschäft, als Stätte des Vertriebs und der Kommunikation

- ein Gästehaus, als Dienstleistungs- und Kontakteinrichtung.

Hier können die Jugendlichen erstmals ihre Wirksamkeit in der Gesellschaft erproben und lernen im geschützten Rahmen und im kleinen Bereich ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen. 

Montessori verstand den Erdkinderplan als eine Erfahrungsschule des sozialen Lebens, in der sowohl die Selbsterfahrung als auch intensive Gemeinschaftserfahrungen ihren Platz haben:

„Die Umwandlung ist beachtlich. Man wird wahrhaftig zum zweiten Mal geboren… 

Das Individuum wird zu einem sozialen Neugeborenen…

Die Schule dieser Kinder oder ihr Haus auf dem Lande muss ihnen die Gelegenheit zur sozialen Entfaltung sein.

Es geht darum eine Erfahrungsschule des sozialen Lernens zu schaffen.“                                             

                                                                                                      Maria Montessori

 

Der Erdkinderplan bietet Möglichkeiten zum Geldverdienen, um soziale Unabhängigkeit zu stärken. Er beinhaltet eine Einführung in fundamentales Wissen über ökonomische Mechanismen. Er regt das Studium der Naturwissenschaften und der Geschichte an. Er vermittelt einen Bezug zur Lebensrealität auf Basis sozialer Grundfragen

 

Die besten Methoden sind diejenigen, die beim Schüler ein Maximum an Interesse hervorrufen,

die ihm die Möglichkeit geben, allein zu arbeiten, selbst seine Erfahrungen zu machen

und die erlauben, die Studien mit dem praktischen Leben abzuwechseln.“

 

Das Bedürfnis, den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden, steht in der Pubertät an erste Stelle. Es geht um eine Suche nach Orientierung und Halt, nach Anerkennung und Identität.Dafür müssen alte Strukturen überwunden und neue Strukturen erschaffen werden.

 

„Die Umwandlung ist beachtlich. Man wird wahrhaftig zum zweiten Mal geboren…

Das Individuum wird zu einem sozialen Neugeborenen…

Die Schule dieser Kinder oder ihr Haus auf dem Lande muss ihnen die Gelegenheit zur sozialen Entfaltung sein.

Es geht darum eine Erfahrungsschule des sozialen Lernens zu schaffen.“

                                                                                                 MM

Viele Schulen setzen den Erdkinderplan um, indem sie z.B. ein, zwei Wochen auf einem Bauernhof im Wechsel mit dem "normalen" Schulunterricht anbieten. Andere Projekte laufen über Monate, in denen die Jugendlichen z. B. Häuser renovieren und kein Schulgebäude von innen sehen.

Pädagogen erzählen immer wieder von der überraschend positiven Erfahrung, wie selbständig und engagiert die Jugendlichen ihre praktischen Aufgaben angehen und bewältigen, sich untereinander organisieren und absprechen und dabei Konflikte oft ganz alleine bewältigen. Natürlich sind nicht alle Jugendlichen für die praktische Arbeit geschaffen und würden lieber bei ihren Büchern bleiben. Der Erdkinderplan sollte deshalb genug Vielfalt und Flexibilität bieten, um jedem Schüler entsprechend seiner Neigungen und Fähigkeiten neue Erfahrungen machen zu lassen.

 

Bildnachweis: Shutterstock/ Khakimullin Aleksandr                                                                                  Autorin: Marie Laschitz