Fehlerfreundlichkeit bei Montessori


Fehlerfreundlichkeit bei Montessori


Maria Montessori berichtet, dass zu ihrer Zeit Kindern noch Eselsohren aufgesetzt wurden, wenn ihnen in der Schule ein Fehler passiert ist. Aus heutiger Sicht wissen wir: Weder das Kind noch der Esel sind dumm, sondern nur ein Lehrer, der seine Schüler lächerlich macht und bloßstellt.

Er hat offenbar seine Aufgabe nicht verstanden und kann nichts anderes, als bei den Kindern Unheil anzurichten.

Die große Pädagogin sprach davon, „dem Fehler gegenüber ein freundschaftliches Verhalten an den Tag legen und ihn als einen Gefährten betrachten, der mit uns lebt und einen Sinn hat.“

Ein freundschaftliches Verhalten gegenüber Fehlern heißt, sie zu achten und ihre Anwesenheit zu schätzen. Fehler gehören zum Lernen einfach dazu und sie zeigen auf, wo ein besserer Weg verläuft. Fehler haben eine wichtige Funktion in jedem Erkenntnisprozess und da, wo sie akzeptiert werden, fühlen sich auch die Menschen akzeptiert, denen diese Fehler unterlaufen.

Die Frage ist berechtigt, ob in unserer Zeit das Wort „Fehler“ überhaupt noch zeitgemäß erscheint. Ist es denn immer ein Fehler, wenn ein Kind falsch rechnet? Betrachtet man nur das Ergebnis, scheint es so.

Wenn man genauer das Kind in den Fokus nimmt, ändert sich der Blickwinkel.

Vielleicht war es ein Integrationskind, das noch gar nicht rechnen kann, aber gerne spielt, dass es Rechenaufgaben löst?

Vielleicht ist das Kind hyperaktiv und hat einen schlechten Tag, weil die Mutter krank geworden ist?

Vielleicht ist das Kind hochbegabt und ist vor lauter Unterforderung mit seinen Gedanken ganz woanders hin geflohen?

In keinem dieser Fälle macht es wirklich Sinn, von einem Fehler zu sprechen.

Wer Fehler ankreidet, kehrt die unterschiedlichsten Kinder über einen Kamm.

Nur wenn ich den individuellen Werdegang des Kindes vor Augen habe, kann ich seiner Leistung gerecht werden. Deshalb lernen Montessorischüler weitgehend ohne Noten.

Wie viel Schlimmes passiert auf der Erde, weil Menschen ihre eigenen Schattenseiten nicht annehmen können und deshalb ihre Wut auf ihre Mitmenschen lenken? Wenn Kinder lernen, ihre Fehler und negativen Seiten gelassen anzunehmen, weil sie ja wissen, dass sie in ihrem Wesen geliebt und gewollt sind, dann wäre unsere Welt ein kleines Stück besser.

Wenn sie diese und andere pädagogische Themen gerne vertiefen möchten, empfehlen wir diese Bücher aus unserem Shop:

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