ERSTES SCHREIBEN FÖRDERN MIT MONTESSORI

ERSTES SCHREIBEN FÖRDERN MIT MONTESSORI

Eine Montessori-Schule im Jahr 2038: Im Klassenzimmer gibt es nirgendwo Stifte oder Papier. Malen und Schreiben mit der Hand gehören längst nicht mehr auf den Lehrplan. Die anwesenden Kinder haben bereits als Zweijährige gelernt, wie schön sich mit dem Computer eine Blume oder eine Sonne malen lässt. Auch das Schreiben lernen die Kinder selbstverständlich nur noch an der Tastatur.

Realistisches Zukunftsszenario? Wohl eher nicht.

Auch wenn die Gelegenheiten, ein Schreibgerät zur Hand zu nehmen, immer seltener werden – der Stift in der Hand bedeutet für den Menschen nach wie vor eine große Inspiration. Das Gehirn wird durch die manuelle Tätigkeit des Schreibens oder Malens positiv stimuliert. Die eigene Handschrift ist ungleich persönlicher und individueller als ein Word-Dokument.

Schon im Altertum galt die Kalligraphie, also die Schönschrift, als hochgeschätzte eigenständige Kunstrichtung. Aber auch der ganz alltägliche Umgang mit Pinsel oder Stift bedeutet für Kinder einen wesentlichen Reifungsprozess. Wer schreibt und malt, kann sich ausdrücken und kann damit wahrgenommen werden. Innere Ideen und Bilder können nach außen transportiert werden und gesehen werden. Ein neues Feld für die Kommunikation zwischen einem „ich“ und einem „du“ entsteht. Auch findet ein ständiger Abgleich zwischen einer Vorlage und dem Selbstgeschriebenen oder Selbstgemalten statt. Ein wichtiger Bereich der Selbstkontrolle und Selbsteinschätzung entsteht.

Es gibt eine Vielzahl an Montessori-Materialien, die sich dem Ersten Schreiben widmen. Eine kleine Auswahl möchte ich hier gerne vorstellen:

Wenn das freie Schreiben noch zu Unsicherheit führt, ist die Schwungübungstafel ideal: Mit einem Holzstift werden vor gefräste Holzrillen nachgezogen und so mit einem „sicheren Geländer“ erste Schreiberfahrungen macht.

Der konsequent nächste Schritt sind die Sandpapierbuchstaben: Das Kind fährt mit dem Finger die rauhen Buchstaben nach und prägt sich ihre Form ein. Es wird dabei nicht mehr geführt, erfährt aber durch den Kontrast von rauh und glatt eine gute Selbstkontrolle.

Mit den metallenen Figuren lernen die Kinder, vorgegebene Linien und Flächen genau nachzuzeichnen und sich dabei die verschiedenen Formen einzuprägen. Auch wenn dieses Material auf den ersten Blick geometrisch erscheint, handelt es sich hier um das Einüben erster Mal- und Schreiberfahrungen.

Eines der attraktivsten und zugleich einfachsten Materialien zum Ersten Schreiben ist das Holztablett mit Sand: Die Kinder lieben es, mit ihren Fingern vorgegebene Muster, Buchstaben oder Zahlen in den Sand zu schreiben und wieder zu verwischen. Die Berührung mit dem Sand spricht die Sinne an und hilft so dabei, durch den angenehmen Kontext das Gelernte besser im Gehirn zu verankern.

Kennt das Kind bereits die einzelnen Buchstaben ganz gut und wagt sich an das Schreiben ganzer Wörter, ist ihm das Bewegliche Alphabet eine große Hilfe: Die Wörter werden erst gelegt und dann abgeschrieben. So fasst das Kind schrittweise Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Wer sein Wissen über das Erste Schreiben und dessen Förderung gerne erweitern möchte findet in diesem fundierten Fachbuch alles Wissenswerte über den Spracherwerb, das Erste Schreiben und Lesen sowie eine ausführliche Einführung in die Wortarten:

Nahezu alle menschlichen Hochkulturen haben im Lauf ihrer Geschichte eine eigene Schrift entwickelt. Ihre Schreiber waren immer angesehene Mitglieder der Gesellschaft. Schriften offenbaren uns oft noch nach Jahrtausenden, was die Menschen damals gedacht und gefühlt haben. Schrift ist wesentlicher Ausdruck einer Kultur. Sollten wir tatsächlich eines Tages auf die Handschrift verzichten, wäre das ein unersetzlicher Verlust für die menschliche Entwicklungsgeschichte.

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