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Montessori für ältere Menschen
08.12.2017 14:26 von Marie Laschitz
Kategorie: Pädagogik

Montessori für ältere Menschen

Seit einigen Jahren kommt die Montessori-Pädagogik immer mehr auch in der Arbeit mit älteren, hochaltrigen und dementen Menschen zum Einsatz.

Viele Kompetenzen und Fähigkeiten, die im Alter verloren gehen können, werden durch Training und Therapie mit dem Montessori-Material wieder reaktiviert . Dem Abbau des kognitiven Leistungsvermögens und dem Nachlassen der Gedächtnisleistungen kann durch den gezielten Einsatz von geeigneten Montessori-Materialien effektiv entgegengewirkt werden.

Wenn es auch noch keine speziellen Senioren-Einrichtungen nach Montessori gibt, so entstehen immer mehr Projekte, die jung und alt miteinander in Kontakt und Austausch bringen wie z.B. in einem Generationenhaus, das Kindergarten und Seniorenheim unter einem Dach integriert. Generationsübergreifend können hier Kinder und ältere Menschen über passendes Material die Umwelt entdecken und zueinander finden.

Die Montessori-Arbeit mit den Senioren besteht zu einem guten Teil aus Gedächtnistraining. Falls die Einrichtung über einen Garten verfügt, bietet es sich z.B. an, Fototafeln für die einzelnen Blumensorten herzustellen und damit im Garten auf die Suche nach den Originalen zu gehen.

Viele ältere Menschen hatten früher selbst einen Garten und packen erstaunliches Fachwissen aus, vor allem aber Freude an der Schönheit der Natur.

Alle Themen knüpfen unmittelbar an den Erfahrungsbereich der älteren Menschen an und kann so einen Aha-Effekt auslösen.

Foto-Material von Speisen, Ausflugszielen oder speziellen Hobbys ist bestens geeignet, um nicht nur eine kognitive Anregung zu bieten, sondern auch um positive Emotionen und Erinnerungen hervorzurufen.

Aber auch Material aus den Bereichen Kosmische Erziehung, Sprache, Mathematik, Sinnesmaterial oder Übungen des täglichen Lebens finden in der Seniorenarbeit Verwendung.

Der Leitsatz von Maria Montessori, "Hilf mir, es selbst zu tun" ist für die Senioren-Arbeit genauso richtungsweisend wie für die klassische Montessori-Pädagogik für Kinder und Jugendliche. Je mehr Erfolg und Gelingen zum täglichen Erfahrungsschatz gehören, umso größer das Selbstbewusstsein und die Zufriedenheit auch der älteren Menschen.

Wie viele tägliche Abläufe wie die Körperpflege oder das Anziehen werden vom Personal erledigt, weil die Zeit knapp ist. Doch jede kleine Entscheidung, jeder selbst getane Handgriff ist ein Stück Unabhängigkeit und Freiheit, die dem alten Menschen Achtung und Würde verleiht.

Mit Hilfe des Einsatzes von Montessori-Material in der Senioren-Arbeit können kleine aber entscheidende Bereiche der Selbstständigkeit und Würde wiederbelebt und verwirklicht werden.

Literaturtipps:

Bianca Mattern: Montessori für Senioren, Einführung in die montessoripädagogische Arbeit mit Senioren und Hochaltrigen, 2008



Lore Wehner, Ylva Schwinghammer: Sensorische Aktivierung,

Ein ganzheitliches Förderkonzept für hochbetagte und demenziell beeinträchtigte Menschen, 2017



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Montessoripädagogik und Achtsamkeit
23.11.2017 17:38 von Marie Laschitz
Kategorie: Pädagogik

Montessoripädagogik und Achtsamkeit

Die Neuentdeckung von Achtsamkeit und Meditation hat längst die Klassenzimmer erreicht. Besonders in Amerika gibt es eine starke "Mindfulness"-Bewegung, die achtsame Elemente in den Unterricht einbaut und dadurch zu erstaunlichen Ergebnissen kommt.

Übende Schüler können meistens besser Stress bewältigen, mit Rückschlägen umgehen und Frustrationen aushalten. Weil sie lernen, in sich selbst einen geschützten Rückzugsraum zu schaffen, können sie die Anforderungen der Außenwelt besser meistern.

Worum aber geht es genau bei der Achtsamkeit? Und was hat sie mit der Montessori-Pädagogik gemeinsam?

Auch wenn sich die Achtsamkeit aus der buddhistischen Tradition heraus entwickelt hat ist sie keineswegs auf spirituelle Praktiken begrenzt.

Achtsames Gehen, achtsames Essen, achtsames Singen, all das kann zur Einübung in den bewusst erlebten Augenblick werden, ungetrübt von den unzähligen Gedanken, die um ein Vorher und ein Nachher kreisen und uns vom unmittelbaren Erleben des Moments abschneiden.

In der Montessori-Pädagogik gibt es ja auch diese Hingabe an den Augenblick, wenn ein Kind vollkommen in eine Tätigkeit versunken ist.

Maria Montessori hat diesen Zustand "die Polarisation der Aufmerksamkeit" genannt und ihm für das Erleben und Erlernen eine außerordentliche Bedeutung beigemessen.

Achtsamkeit ist jedoch keine pädagogische Methode, um die Kinder zur Ruhe oder in die Konzentration zu bringen. Sie ist vielmehr ein Tor, das sich für jeden Menschen öffnet, der von sich aus bereit ist, sein Herz zu öffnen. Achtsamkeit kann nicht verordnet werden. Die Kinder bekommen nur über ihre eigene Erfahrung einen Zugang zu diesem inneren Raum. Betreten sie ihn, können sie wunderbare Dinge erfahren. Stille, Frieden, Licht, Erholung lassen sich dort finden.

Aber auch unangenehme Dinge werden im Fokus der Achtsamkeit wahrgenommen: Wut, Ärger, Ängste werden nicht einfach weggeschoben, sondern in den Fokus gerückt und bearbeitet.

Achtsamkeit lässt sich nicht anmahnen. Sie will auf eigene Faust im Herzen der Dinge entdeckt werden. Ein Kind lässt sich vielleicht zur äußeren Ruhe mahnen. Achtsamkeit und Meditation aber greifen tiefer. In kleinen Übungen nimmt das Kind in sich selbst eine Stille war, wenn auch nur für einen Augenblick. Es spürt in sich hinein, wie es ihm heute geht. Es bekommt das Geschenk einer echten Pause von seiner Arbeit, dem Lernen. Und kehrt anschließend entspannt und frisch in den Unterricht zurück.

Kleine Achtsamkeitsübung

Material: Eine Klangschale mit Klöppel

Die Kinder und der Pädagoge sitzen im Schneidersitz im Kreis und kommen zur Ruhe.

Der Pädagoge bringt die Klangschale zum Klingen. Die Kinder lauschen dem Ton und zeigen auf, wenn sie ihn nicht mehr hören können. Stille entsteht.

Jetzt gibt der Pädagoge ein paar Anleitungen:

"Gerade habt ihr dem Ton der Klangschale gelauscht. Genauso könnt ihr jetzt dem Klang der Stille zuhören. Versucht, kein Geräusch zu machen.

Könnt ihr in der Umgebung einzelne Geräusche wahrnehmen?

Geht mit der Aufmerksamkeit zu euch selbst. Legt eine Hand auf euer Herz. Spürt ihr, wie es schlägt? Oder könnt ihr es fühlen?"

...Stille....

"Jetzt geht mit eurer Aufmerksamkeit zu eurem Atem. Beobachtet euren Atem. Versucht ihn nicht zu beeinflussen, sondern lasst ihn ganz natürlich kommen und gehen. Beim Einatmen stellt euch vor, wie ihr an einer köstlichen Blüte riecht, beim Ausatmen denkt daran, wie ihr ein Blatt wegblast. Bleibt mit euren Gedanken ganz beim Atem. Der Atem hält euch am Leben, der Atem verbindet euch mit der Erde. Je bewusster ihr euren Atem wahrnehmt, umso besser kann sich euer Körper mit frischer Energie füllen.

Vielleicht gleiten eure Gedanken ab zu anderen Dingen, die gerade waren oder sein werden. Dann gebt diesem anderen Gedanken einen Namen, z.B. "Schulschluss" und stellt euch vor, wie dieses Wort einfach wegweht.

Jetzt könnt ihr euch wieder ruhig dem Atem zuwenden."

Zum Ende der Übung ertönt noch einmal die Klangschale.

Die Kinder können nun von ihren Erfahrungen mit der Übung erzählen.

Diese Grundübung lässt sich sehr schön durch Phantasie- oder Traumreisen erweitern, die gerade in den Schulalltag oder die Jahreszeit passen.

Kinder, die bei der Übung nicht mitmachen wollen, sollten in der Zwischen-zeit die Möglichkeit haben, eine andere Klasse zu besuchen.

Der Aspekt der Freiwilligkeit ist im Bereich der Achtsamkeit besonders zu berücksichtigen.

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Die Fehlerfreundlichkeit in der Montessori-Pädagogik
17.11.2017 18:45 von Marie Laschitz
Kategorie: Pädagogik

Die Fehlerfreundlichkeit in der Montessori-Pädagogik

Jonas hat sich mit dem kleinen Rechenrahmen und der dazugehörigen Arbeitskartei in die Leseecke zurückgezogen und grübelt über den Aufgaben zur Addition. Der Zehnerübergang macht ihm zunächst Schwierigkeiten. Sein Ergebnis stimmt nicht mit der Lösung auf der Rückseite überein. Er rechnet das Beispiel nochmal durch und dann versteht er plötzlich, wie es funktioniert. Die folgenden Aufgaben kann er alle alleine richtig lösen.

Jonas lernt aus seinen Fehlern, ohne dass jemand mit rotem Stift seine Aufgaben verbessert. Ohne, dass ihn jemand zurechtweist, dass er einen Fehler gemacht hat. Ohne, dass er an der Tafel aufgeregt und ängstlich etwas vorrechnen muss.

Er lernt selbständig mit einer Arbeitskartei, die eine Fehlerkontrolle unabhängig von der Bewertung eines Erwachsenen ermöglicht.

Neben den Arbeitskarteien bietet fast jedes Montessori-Material die Möglichkeit zur Selbstkontrolle, z.B. beim Schlangenspiel durch die Länge der Perlenstäbe.

Das Material selbst gibt dem Kind die Möglichkeit zur Korrektur, ohne dass es dabei von außen kritisiert oder gar diffamiert wird.

In vielen Montessori-Einrichtungen ist die Freundlichkeit Fehlern gegenüber fest im Konzept verankert. Diese aufgeschlossene und verständnisvolle Haltung den menschlichen Fehlern gegenüber geht natürlich auf Maria Montessori selbst zurück. Eines ihrer berühmtesten Zitate lautet:

"Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen."

Der Impuls, als befähigter Erwachsener dem Kind seine Anstrengung abnehmen und es unterstützen zu wollen, ist zunächst sehr groß und nicht zu unterschätzen. Erst wenn wir reflektieren, wie wir das Kind tatsächlich am Besten unterstützen können, lernen wir, einen Schritt zurückzutreten und dem Kind den nötigen Lernraum zu lassen. Erst dann beginnt das Kind, auf seine eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und sich auch durch Fehler nicht entmutigen zu lassen.

In ihrem Buch "Das kreative Kind" legt Maria Montessori den Pädagogen nahe,

"dem Fehler gegenüber ein freundschaftliches Verhalten an den Tag zu legen

und ihn als einen Gefährten zu betrachten, der mit uns lebt und einen Sinn hat"



Weder der Fehler selbst noch derjenige, der ihn begangen hat, wird hier negativ bewertet. Im Gegenteil. Ein Fehler bietet die Chance, noch einmal genau hinzusehen und zu erkennen, was noch gelernt und verstanden werden soll.

Der Fehler hat einen Sinn, wie Montessori schreibt, weil er Orientierung bietet, wo sich der Lernende gerade befindet. Gleich einer Landkarte wird abgesteckt, welche Bereiche noch erschlossen werden sollen.

Jeder Fehler ermöglicht eine hilfreiche Selbsteinschätzung und bereitet den Weg für den Aufstieg zu einer höheren Wissensstufe.



Ein letzter Aspekt der Fehlerfreundlichkeit ist zugleich der Bedeutendste.

Kinder, die sich selbst ihre Fehler verzeihen können, werden im Umgang mit der Realität stärker und stabiler werden. Der psychologische Schlüsselbegriff hierzu heißt "Frustrationstoleranz".

Für ein erfolgreiches Berufsleben und ein erfülltes Privatleben ist es schon fast ein Geheimrezept, wie wir es gelernt haben,mit Tiefschlägen und Krisen umzugehen.

Nur, wenn ich mir einen Fehler eingestehe und ihn akzeptiere, kann ich davon profitieren und es in Zukunft besser machen.



Natürlich springt der Funke im Umgang mit unseren Fehlern auch auf den Umgang mit unseren Mitmenschen über. Je mehr ich mit meinen eigenen Fehlern Freundschaft schließe, umso leichter gelingt mir das auch bei den Anderen.

Fehler gehören zum Menschsein einfach dazu. Schön, wenn wir das mit Akzeptanz und Humor nehmen können und es den Kindern wohlwollend vermitteln.

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10 Eigenschaften eines guten Montessori-Pädagogen
07.11.2017 12:49 von Marie Laschitz
Kategorie: Pädagogik

10 Eigenschaften eines guten Montessori-Pädagogen


1. Menschenliebe

Die meisten Pädagogen geben auf die Frage hin, warum sie diesen Beruf ergriffen haben zur Antwort, dass sie Kinder lieben und gerne mit ihnen arbeiten. Natürlich ist es die beste Voraussetzung, die kleinen und größeren Kinder wirklich gern zu haben, um mit ihnen gut lernen zu können. Echtes Interesse, Empathie und Engagement erwachsen meistens aus einer Affinität heraus.

Doch reicht die Hinwendung zu Kindern aus oder ist es nicht auch entscheidend, als Pädagoge allgemein ein Menschenfreund zu sein?

Da Pädagogen immer auch eine Vorbildfunktion erfüllen, ist eine menschenfreundliche Grundhaltung eine ungemeine Bereicherung für die Schüler. Sie gibt Orientierung, wo Erziehung hingehen möchte:

Zu einem wertschätzenden Menschenbild, dass auch angesichts gesellschaftlicher Missstände nicht den positiven Blick nach Vorne verliert.

2. Freude am Unterrichten

Auch wenn es in der Montessori-Pädagogik nicht viel Raum für Frontalunterricht gibt, bleibt der Lehrer oder Pädagoge doch immer eine Person, die durch ihre eigene Leidenschaft für ein Thema die Schüler begeistert und mitreißt. Die Überzeugung, dass das menschliche Leben durch Bildung und Wissen unglaublich bereichert wird, ist bestimmt eine hervorragende Motivation für den unterrichtenden Erwachsenen.

Auch die Freude am Erkennen selbst, am Moment, wo es Klick macht im Kopf eines Schülers und das Staunen über die Leistungen des menschlichen Geistes machen das Unterrichten zu einer einzigartigen Aufgabe.

3. Freude am Lernen

Ein guter Lehrer oder Pädagoge bleibt immer auch Lernender und Schüler.

In einer Zeit, in der das Wissen rasant wächst und längst unübersehbar geworden ist, kann und muss jeder Pädagoge offen und neugierig bleiben für neue Entwicklungen und Erkenntnisse.

Besonders schön ist es, wenn ein Schüler, etwa im Computerbereich, dem Pädagogen Wissen vermitteln kann. Dieser Rollentausch schenkt dem Schüler Selbstbewusstsein und dem Erwachsenen, dass er auch eine natürliche Autorität besitzt, wenn er nicht das Wissensmonopol für sich beansprucht.

4. Vertrauen

Vertrauen ist die entscheidende Basis für alle stabilen Beziehungen.

Gegenseitiges Vertrauen schafft den Raum, in dem Dinge wachsen und reifen können. Vertrauen für einen Montessori-Pädagogen kann heißen, den Schülern genügend Spielraum und Zeit für ihre Entwicklung zu lassen, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren. Es kann heißen, das Kind in seinem eigenen Rhythmus arbeiten zu lassen, ohne ständig Prozesse beschleunigen zu wollen. Es kann heißen, viel Vertrauen in das Material zu setzen, das ohne Vermittlung eines Lehrers zeigt, erklärt und verdeutlicht.

5. Fachwissen

Es versteht sich von selbst, dass ein Montessori-Pädagoge eine Menge über Pädagogik, Didaktik und Montessori wissen sollte. In der Ausbildung zum Montessori-Pädagogen passiert aber neben der Wissensvermittlung meistens noch etwas ganz anderes:

Der Funken springt über, die Freude und Begeisterung über die Montessori-Methode. Im optimalen Fall bleibt dieser Funke ein Lehrerleben lang erhalten.

6. Improvisationstalent

Natürlich kommt es immer anders, als man denkt. Unterbrechungen und Störungen gehören zum Schulalltag genauso dazu wie der Stundenplan oder die Pause. Ein entspanntes Verhältnis zu den eigenen Konzepten, Wünschen und Ideen ist hier ungemein hilfreich. Oft lassen sich vermeintliche Störungen auch wunderbar in den Unterricht einbauen. Offenheit und Kreativität des Pädagogen sind da gefragt aber auch die Fähigkeit, das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

7. Gute Nerven

Wer unterrichtet, hat es mit einem Sack voller Flöhe zu tun. Die Aufmerksamkeit bündeln, eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre zu schaffen und für Ruhe zu sorgen kommt oft der Arbeit eines Löwenbändigers gleich. Dafür braucht man Nerven aus Stahl oder, da die wohl niemand hat, ein kompatibles Konzept von dem Begriff "Störung".

Was mich gerade stört, ist für den "Störer" vielleicht ein Erkenntnisprozess, ein Hilferuf oder einfach Ausdruck seiner selbst. Je besser wir den Störenden verstehen und annehmen können, umso weniger rüttelt er an unsere Nerven. Wenn die Nerven trotzdem einmal reißen, ist das nur allzu menschlich. Sich selbst verzeihen und es besser machen ist ein guter Weg.

8. Teamgeist

Montessori-Pädagogen haben den großen Vorteil, dass sie meistens zu zweit in einer Klasse sind. Wie auf einer Bühne können sie den Schülern zeigen, wie eine gelungene Kommunikation funktioniert. Absprache, Auseinandersetzung, Arbeitsteilung und vieles mehr können hier eingeübt und demonstriert werden. Die klassische Lehrerrolle als Inbegriff alleiniger Autorität und Kompetenz ist schon lange überholt durch das Modell eines Pädagogen-Teams, das gleichgestellt und konstuktiv miteinander arbeitet.

9. Die Kunst, sich überflüssig zu machen

"Der ........ kommt!" mit diesem Schreckensruf sind Schüler früher oft an ihre Plätze im Klassenzimmer gesprungen, wenn der Lehrer nahte. An einer Montessori-Schule spielt es meistens keine Rolle, ob der Lehrer gerade im Raum ist oder nicht. Es wird ja nicht für den Lehrer gearbeitet, sondern für sich selbst. Ein Montessori-Pädagoge wird auf seine Schüler und das Material vertrauen und sich nicht für unentbehrlich halten. Er ist mehr derjenige, der Prozesse ins Rollen bringt und bis zu einem gewissen Punkt begleitet.

Er weiß, dass er gute Arbeit leistet, wenn seine Schüler selbständig und unabhängig arbeiten und er sich mehr und mehr zurückziehen kann.

10. Gelassenheit

In dem Wort "Gelassenheit" steckt das Verb "lassen". Sehr oft ist es genau richtig, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Darauf vertrauen, dass die Schüler schon eine Lösung finden. Abzuwarten, bis die Kinder von sich aus etwas wahrnehmen.

Woher die Geduld dafür nehmen? Es gibt viele Möglichkeiten, im privaten Umfeld Gelassenheit zu üben, vom Bouldern über Yoga bis hin zur Meditation.

An manchen Montessori-Einrichtungen werden bereits entsprechende Kurse für die Mitarbeiter abgehalten.

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Mathematik zum Sehen und Begreifen
24.10.2017 15:03 von Marie Laschitz
Kategorie: Materialien im Einsatz

Mathematik zum Sehen und Begreifen

Die Eltern der Kinder aus der Orionklasse sitzen beim Elternabend gespannt um das Mathematikmaterial herum, das Bastian, der Lehrer, am Boden ausgebreitet hat.

Eine bunte Perlenschlange schlängelt sich quer über den Teppich. Sie ist aus farbigen und grauen Perlenstangen unterschiedlicher Länge zusammengesetzt. Bastian beginnt seine heutige Mathe-Darbietung mit dem Schlangenspiel.

Dieses Material steht bei Montessori-Kindern ab dem Vorschulalter hoch im Kurs und sie beherrschen es oft in einem atemberaubendem Tempo.

Für Simon, den Vater von Naomi, ist das Schlangenspiel eine kleine Offenbarung. Der Journalist und Filmemacher spürt heute noch das Unbehagen, das ihn als Schüler regelmäßig im Mathe-Unterricht überkam.

Das Gefühl, etwas verstehen zu müssen, was sich völlig irreal anfühlte.

Zahlen, die für etwas standen, was weder zu sehen noch zu spüren war.

Winzige Zeichen wie ein + oder ein - , die man nur zu leicht übersehen und damit das Ergebnis komplett verfälschen konnte.

Formeln, die unmöglich zu merken waren und noch unmöglicher zu verstehen. Und die Bedrohlichkeit des absoluten Urteils, richtig oder falsch gerechnet zu haben!

Als Bastian die grauen Stäbchen der Kette nach hinten klappt, sie umtauscht und von der Schlange abzieht, seufzt Simon hörbar auf.

"Warum hat mir die Subtraktion niemals jemand so einfach erklärt?"

fragt er in die Runde und einige Eltern lachen beistimmend.

Als Kind hatte Simon einfach keine Rezeptoren für all die abstrakten Zahlen und Zeichen, die völlig ungreifbar und nebulös herumschwebten und nur eines mit Sicherheit garantierten: Ein falsches Ergebnis.

Worte sprachen immer zu ihm, sie hatten ein immenses Eigenleben und nahmen stets einen neuen Farbton an, wenn man sie gekonnt zusammensetzte.

Aber Zahlen waren für ihn seelenlose Wesen ohne Farbton oder Klang, die die Welt vielleicht vermessen, niemals aber erfassen konnten.

Bis heute Abend. Heute beginnen die Zahlen sich zu materialisieren, sich bunt über den Teppich zu schlängeln und ganz nebenbei ihre Gesetzmäßigkeiten und Geheimnisse zu verraten. In Form von Perlen, Stäbchen, Stangen oder Plättchen wird die geordnete und logische Welt der Mathematik greifbar und sichtbar.

Simon fühlt sich unendlich erleichtert. Er war nicht zu dumm, um die Welt der Zahlen zu verstehen. Die Zahlen waren bis heute einfach nicht in Erscheinung getreten.

Natürlich gibt es Kinder mit einem großen mathematischen Vorstellungsvermögen, die ohne Probleme Zahlen als Größen wahrnehmen können und Rechenmethoden wie die Division oder die Multiplikation schnell begreifen, auch wenn sie ihnen nur in schriftlicher Form nahegebracht wird.

Andere Kinder können die abstrakte Welt der Mathematik aber nicht in ihrem Weltbild verorten. Sie verwenden alle Energie darauf, sich mühsam vorzustellen, was bei einer Methode passiert, so dass nicht mehr viel Ausdauer für die eigentliche Rechenaufgabe bleibt.

Für sie ist das Mathematik-Material von Maria Montessori wie geschaffen.

Michael räumt die Schlange wieder weg und legt das Multiplikationsbrett aus. Später das Divisionsbrett. Und zum Abschluss das Wurzelbrett.

Er zeigt den Eltern in aller Ruhe die verschiedenen Rechenmethoden.

Er muss nicht viel erklären. Die Materialien sprechen für sich. Alles ist augenscheinlich und vollkommen klar.

Am Ende des Elternabends ist die Stimmung ausgezeichnet. Die Eltern erfahren am eigenen Leib, das es gute Laune macht, etwas Neues zu verstehen.

Für Simon schreibt sich heute abend die Geschichte zwischen der Mathematik und ihm völlig neu. Er war nie ein dummer Schüler. Es hat bloß nie jemand den Schleier gelüftet zwischen ihm und dem Reich der Mathematik.

In Zukunft kann seine Tochter Elena ihm zeigen, was er alles verstehen kann, wenn man es ihm nur deutlich sichtbar vor Augen führt.

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Können Lesehunde wirklich lesen?
22.09.2017 15:36 von Marie Laschitz
Kategorie: Pädagogik

Können Lesehunde wirklich lesen?

Leni und ihr Frauchen sind früh morgens auf dem Weg in die Montessorischule. Beide sind nicht mehr ganz so gut zu Fuß, aber die Vorfreude auf die kommende Stunde lässt sie trotzdem recht zügig durch die Eingangstür der Schule gehen. Sofort wird Leni von Kindern umringt, ausführlich umarmt und gestreichelt. Auch ihr Frauchen wird freundlich begrüßt und zum Klassenzimmer begleitet.

Leni ist ein Lesehund. Sie hat eine Ausbildung zum Therapiehund absolviert und darf jetzt offiziell in einem Verein für tiergestützte Pädagogik mit Leseanfängern arbeiten. Mit ihrem Frauchen ist sie viermal die Woche in verschiedenen Münchner Grundschulen unterwegs.

Natürlich können Lesehunde nicht selber lesen. Aber sie haben eine Eigenschaft, die unter den Menschen nur schwer anzutreffen ist:

Leni ist eine unendlich geduldige, wohlwollende und aufmerksame Zuhörerin. Sie strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus, wie sie so neben dem 6-jährigen Tim auf dem Boden liegt und genau das gibt dem Jungen das Gefühl, es gut zu machen, selbst wenn die gelesenen Worte noch etwas holpern.

Manchmal stellt sich Lenis rechtes Ohr etwas auf und zuckt, dann weiß Tim, dass er richtig gut gelesen hat.

Leni hat noch nie den Kopf darüber geschüttelt, wenn sich Tim einmal verliest oder ein Wort nicht herausbringt. Nicht einmal ihre Schnauze rümpft sie über seinen Fehler. Deshalb wird Tim immer zuversichtlicher mit dem Lesen und traut sich jetzt schon richtig lange Texte zu.

Nach und nach fasst er in Lenis Anwesenheit Mut und entwickelt Selbstvertrauen und Sicherheit beim Lesen.

Und der Junge, der immer etwas ängstlich ist, erlebt neben seinem Lesehund ein Stück Geborgenheit.

Ursprünglich aus Amerika kommend, hat sich die Idee der Lesehunde auch in Deutschland in Schulen, therapeutischen Einrichtungen und Bibliotheken rasant ausgebreitet. Noch gibt es keine einheitlichen Standards und jedes Bundesland handhabt das Projekt anders. Doch werden es ständig mehr Einrichtungen, die Lesehunde zu sich einladen.

Kinder, die nicht gut lesen können, lesen meistens auch nicht gern. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist die tägliche Aufgabe von Leni und ihren Hundekollegen.

Durch Wohlwollen und Geduld erreicht sie oft mehr als mancher allzu ambitionierte Lehrer.

Besonders Kinder, die sich durch Kritik oder Belehrung leicht verunsichern und frustrieren lassen, entspannen sich sichtlich in der Anwesenheit eines Lesehundes und trauen sich, mit dem Tier zu sprechen und ihm vorzulesen.

Natürlich dürfen die Kinder mit ihrem Lesehund auch kuscheln und sein Fell streicheln. Das beruhigt die Kinder und schenkt ihnen Sicherheit. Stress wird abgebaut und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nimmt zu.

Nachweislich helfen Lesehunde dabei, die schulischen Leistungen "ihrer" Kinder zu verbessern, ihre Liebe zu Büchern zu wecken und ihre Ängste beim Vorlesen abzubauen.

Natürlich kommen nicht alle Hunde als Lesehunde in Frage.

Nur Hunde, die ein absolut freundliches und ausgeglichenes Naturell haben und gut erzogen sind, eignen sich als Lesehund.

Viele von ihnen haben bereits eine Ausbildung zum Therapiehund hinter sich. Da so eine Ausbildung Zeit und Geld kostet, ist es nicht ganz fair, dass die meisten Herrchen oder Frauchen mit Lesehund ehrenamtlich arbeiten und dafür keine Entlohnung bekommen.

Doch die meisten Hund-Mensch-Teams, die in Schulen unterwegs sind, wissen ganz genau, wie viel Freude sie bei ihren Besuchen mitbringen.

Und das ist natürlich auch eine Art Lohn.

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Der Erdkinderplan
01.09.2017 18:24 von Marie Laschitz
Kategorie: Pädagogik

Der Erdkinderplan

Maria Montessori unterteilte die kindliche Entwicklung in 3 Phasen von jeweils sechs Jahre Länge ein und entwickelte für jede Altersstufe speziell abgestimmte Lernmittel und Lernmethoden.

Besonders Jugendliche haben ganz besondere Bedürfnisse,Kompetenzen und Herausforderungen. In der Altersstufe von 12 - 18 Jahre leisten die Kinder und Heranwachsenden den

Übergang von der Mentalität des Kindes, welches innerhalb der Familie lebt,

zur Mentalität des Erwachsenen, welcher in der Gesellschaft leben muss". MM

In der Pubertät befindet sich das Gehirn sozusagen "im Umbau". Bestehende neuronale Verbindungen werden abgebaut und neue Verbindungen geknüpft, das logische Denken wird ind diesen Prozessen der  neuronalen Neustrukturierung und durch die hormonellen Umstellungen oft völlig blockiert.

Druck und Zwang bewirken hier oft nur, dass sich der Jugendliche völlig verschließt und keinerlei Leistungsbereitschaft mehr zeigt.

Montessori hat deshalb für das Lebensalter von 12 bis 18 Jahren ein ganz spezifisches Bildungskonzept entwickelt, den Erdkinderplan.

Er beinhaltet eine radikale Abwendung vom Konzept der Montessori-Grundschule, indem es ausschließlich praxisorientiert ist und den Jugendlichen ein Höchstmaß an Selbstbestimmung und Verantwortung ermöglicht. Es handelt sich mehr um eine "Erfahrungsschule", in der die Jugendlichen hauptsächlich körperlichen Tätigkeiten nachgehen und ganz unmittelbar Lebenserfahrungen sammeln.

Die "Vorbereitete Umgebung" für Jugendliche besteht demnach aus einem Lebensraum, der sowohl die Natur als auch die Kultur als Übungsfeld sehen, in dem sich der Jugendliche beweisen und verdient machen kann.

Im ländlichen Raum können die Jugendlichen in der Landwirtschaft, im Handwerk, in der Gastronomie und ähnlichen Bereichen ihre Begabungen entdecken und ihre Fähigkeiten erproben.

Folgende Anlaufstellen eignen sich besonders gut zur Umsetzung des Erdkinderplans:

- ein Bauernhof, als Stätte der Produktion

- ein Geschäft, als Stätte des Vertriebs und der Kommunikation

- ein Gästehaus, als Dienstleistungs- und Kontakteinrichtung.



Hier können die Jugendlichen erstmals ihre Wirksamkeit in der Gesellschaft erproben und lernen im geschützten Rahmen und im kleinen Bereich ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen.

Montessori verstand den Erdkinderplan als eine Erfahrungsschule des sozialen Lebens, in der sowohl die Selbsterfahrung als auch intensive Gemeinschaftserfahrungen ihren Platz haben:



Die Umwandlung ist beachtlich. Man wird wahrhaftig zum zweiten Mal geboren… 

Das Individuum wird zu einem sozialen Neugeborenen…

Die Schule dieser Kinder oder ihr Haus auf dem Lande muss ihnen die Gelegenheit zur sozialen Entfaltung sein.

Es geht darum eine Erfahrungsschule des sozialen Lernens zu schaffen.“                                              MM

Der Erdkinderplan      -  bietet Möglichkeiten zum Geldverdienen, um soziale Unabhängigkeit zu stärken

                               - Er beinhaltet eine Einführung in fundamentales Wissen über ökonomische Mechanismen

                              - Er regt das Studium der Naturwissenschaften und der Geschichte an

                              - Er vermittelt einen Bezug zur Lebensrealität auf Basis sozialer Grundfragen



Die besten Methoden sind diejenigen, die beim Schüler ein Maximum an Interesse hervorrufen,

die ihm die Möglichkeit geben, allein zu arbeiten, selbst seine Erfahrungen zu machen

und die erlauben, die Studien mit dem praktischen Leben abzuwechseln.“

Das Bedürfnis, den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden, steht in der Pubertät an erste Stelle. Es geht um eine Suche nach Orientierung und Halt, nach Anerkennung und Identität.Dafür müssen alte Strukturen überwunden und neue Strukturen erschaffen werden.

Die Umwandlung ist beachtlich. Man wird wahrhaftig zum zweiten Mal geboren…

Das Individuum wird zu einem sozialen Neugeborenen…

Die Schule dieser Kinder oder ihr Haus auf dem Lande muss ihnen die Gelegenheit zur sozialen Entfaltung sein.

Es geht darum eine Erfahrungsschule des sozialen Lernens zu schaffen.“

                                                                                                                                                      MM

Viele Schulen setzen den Erdkinderplan um, indem sie z.B. ein, zwei Wochen auf einem Bauernhof im Wechsel mit dem "normalen" Schulunterricht anbieten.

Andere Projekte laufen über Monate, in denen die Jugendlichen z. B. Häuser renovieren und kein Schulgebäude von innen sehen.

Pädagogen erzählen immer wieder von der überraschend positiven Erfahrung, wie selbständig und engagiert die Jugendlichen ihre praktischen Aufgaben angehen und bewältigen, sich untereinander organisieren und absprechen und dabei Konflikte oft ganz alleine bewältigen.

Natürlich sind nicht alle Jugendlichen für die praktische Arbeit geschaffen und würden lieber bei ihren Büchern bleiben. Der Erdkinderplan sollte deshalb genug Vielfalt und Flexibilität bieten, um jedem Schüler entsprechend seiner Neigungen und Fähigkeiten neue Erfahrungen machen zu lassen.

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Linkshändigkeit - Handicap oder Ressource?
22.08.2017 09:09 von Marie Laschitz
Kategorie: Pädagogik

Linkshändigkeit- Handicap oder Ressource?

Linkshänder machen etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung aus. Linkshändigkeit wird offensichtlich vererbt. Bei Linkshändern ist die rechte Gehirnhälfte die dominante Seite. Sie gelten als künstlerisch und kreativ, was dem Aufgabenbereich der rechten Gehirnhälfte entspricht. Die linke Hälfte ist, vereinfacht gesprochen, die analytisch-mathematische Seite.

Die ersten Anzeichen für Linkshändigkeit lassen sich bereits im Kleinkindalter feststellen.

Und: Linkshänder haben es nicht leicht. Obwohl zum Glück die Zeiten der Umerziehung vorbei sind, müssen Linkshänder in einer rechts-dominierten Welt bestehen. Wie wir als Pädagogen ihnen dabei helfen können, soll dieser Artikel zeigen.

In Zeiten der Umerziehung

Es ist erst ein, zwei Generationen her, dass man meinte, Kindern mit Linkshändigkeit etwas Gutes zu tun, indem man sie zum Schreiben mit der rechten Hand zwang. Die Folgen waren fatal. Kinder, die mit der linken Hand sicher und geschickt waren, zeichnen und vielleicht schon etwas schreiben konnten, mussten plötzlich mit der ungeübten Hand eine Schrift lernen, die gefühlt in die falsche Richtung mit gefühlt falsch herum geschwungenen Buchstaben geschrieben wird.

Natürlich verkrampften sich viele Linkshänder bei dieser Aufgabe und verloren schon in den ersten Schultagen einen Gutteil ihres Selbstvertrauens und ihrer Freude am Arbeiten.Wie viele Schullaufbahnen wurden hier oft schon am Anfang negativ beeinflusst und durch Verspannungen, Schmerzen und Frustrationen geprägt! Nicht wenige Schüler haben dann in späteren Jahren den Füller doch noch in die linke Hand genommen und mal kurz eben erneut das Schreiben gelernt.

Durch diese brachiale Umerziehung hat aber nicht nur das Selbstbewusstsein der Kinder gelitten.

In vielen Fällen ist tatsächlich im Gehirn einiges durcheinander gekommen. So ist das Orientierungsbewusstsein vieler Linkshänder oft auffallend schlecht und sie verwechseln häufig rechts mit links. Ihr natürlicher Drehsinn wird durch jede neue Schraube irritiert und es geht in ihnen in der von Rechtshändern dominierten und organisierten Welt vieles gegen den Strich. Mühsam müssen sie sich antrainieren und auswendig lernen, wie herum der Verschluss aufgeht, auf welcher Seite man sich richtig an der Kasse anstellt oder in welche Richtung sich die Schraube lockern lässt. Darüber hinaus verlieren sie leicht die Orientierung, wenn sie draußen unterwegs sind und können sich kaum auf einen inneren Kompass verlassen.

Umerzogene Linkshänder haben also oft auf der ganzen Linie mit Irritationen und Verunsicherungen zu kämpfen.

Linkshänderfreundliche Zeiten

Zum Glück haben sich die Zeiten geändert und kein Kind mehr wird bei uns zum Schreiben mit der rechten Hand gezwungen. Es gibt eine Vielzahl an Artikeln für Linkshänder, viele handwerkliche Betriebe schaffen spezielle Arbeitsplätze für sie und es gibt bundesweit Beratungsstellen.

Trotzdem bleiben gewisse Schwierigkeiten bestehen. Das Schreiben ist hier noch das geringste Problem. Zwar verwischt ein Linkshänder leicht die Schrift, wenn er mit der linken Hand beim Schreiben über die bereits geschriebene Zeile fährt, aber durch eine leichte Drehung des Heftes lässt sich das Problem ganz gut vermeiden.

Auch wenn einzelne Geräte, Apparate und Instrumente bereits in Linkshänder-Versionen hergestellt werden, ist es nach wie vor eine Welt der Rechtshänder und ganz nach deren Bedürfnissen ausgerichtet.

Linkshänder ticken einfach anders herum. Der Drehsinn spielt ja nicht nur bei einer Handbewegung, sondern auch bei der Körperdrehung eine Rolle. Linkshänder müssen immer wieder nachdenken, wie herum etwas funktioniert. Der innere Kompass wurde zu oft missachtet, um noch einwandfrei zu funktionieren.

Beidseitigkeit trainieren

Genau hier liegt aber auch das große Potential der Linkshändigen:

Sie haben es gelernt, umzudenken und gegen den eigenen Sinn Dinge zu tun. Auch wenn die Zeit der Umerziehung längst vorbei ist, werden Linkshänder in unzähligen Situationen nach wie vor dazu gezwungen, umzudenken und umzugreifen. Das macht ihr Gehirn flexibel. Beide Gehirnhälften werden so ständig gefordert und trainiert. Man spricht hier von der Lateralität der Gehirnhälften.

Die Beidseitigkeit der Hände und damit auch der Gehirnhälften zu trainieren ist natürlich auch für die rechtshändigen Kinder ein sehr effektives Hirntraining. Dabei kann sowohl hauptsächlich die schwache Hand, als auch die Synchronizität, also die Gleichzeitigkeit beider Hände geübt werden.

Es eignen sich Schreibübungen, Zeichenübungen, Schüttübungen, Fühlübungen usw. , nahezu jede Tätigkeit kann beidseitig eingeübt werden. Die Beidseitigkeit kann auch gut im Alltag trainiert werden, etwa beim Sport, beim Aufräumen oder beim Putzen.

Es ist eine großartige Erfahrung für die Kinder, wenn die Hand, mit der sich eine feinmotorische Bewegung zunächst komisch und anstrengend anfühlt, nach und nach sicherer und geschickter wird.

Ideal für die Verknüpfung beider Gehirnhälften und zudem ein Material, das die Kinder zentriert und ruhig macht, ist die liegende Acht, auf der eine Murmel balanciert wird. Kinder lieben dieses Material, als würden sie wissen, welch positiven Effekt es auf ihr Gehirn hat.



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Begreifen kommt von Greifen, Verstehen kommt von Stehen
08.08.2017 10:23 von Marie Laschitz
Kategorie: Pädagogik

Begreifen kommt von Greifen, Verstehen kommt von Stehen

Die Koordination von Gehirn, Händen und Beinen trainieren



Die Überschrift macht deutlich, wie sehr unsere Sprache den engen Zusammenhang von Intellekt und Körper widerspiegelt.

Seit einiger Zeit beschäftigt sich die moderne Hirnforschung mit dem Verwoben Sein von kognitiven Prozessen und dem gesamten menschlichen Organismus.

Was der Geist aufnimmt, wird immer in irgendeiner Form über die Neuronen an den Körper weitergeleitet und verarbeitet.

Wahrnehmen können wir das allerdings nur, wenn uns eine Information sehr überrascht oder überwältigt. Eine mögliche Reaktion des Körpers wäre da etwa ein

beschleunigter Puls, ein kurzer motorischer Kontrollverlust oder eine erhobene Stimme.

Steigt zusätzlich noch Angst auf, kommt es aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer negativen Rückkoppelung im Gehirn. Denn starke negative Emotionen

blockieren unser Denken und liefern uns, ob wir wollen oder nicht, unkontrolliert den Affekten aus.


Umgekehrt haben aber auch physiologische Prozesse Auswirkungen auf den Geist. Wenn der Körper tief entspannen darf, wird in der Regel auch der Geist ruhig 

und  konzentriert.

Körperliches Wohlbefinden ist meistens auch eine wichtige Voraussetzung für Kreativität und Intuition, die oft erst in der Entspannung von Innen heraus ins

Bewusstsein aufsteigen können.


In der Montessoripädagogik werden diese Erkenntnisse der Neurowissenschaft schon lange im Lernalltag erkannt und umgesetzt.

Bei vielen Materialien wird die Verknüpfung von körperlicher Bewegung und Lehrprozessen bewusst angestrebt und angeregt, damit sich das Gelernte besser im

Gehirn verankern kann.

So ist etwa das "Gehen auf einer Linie" für jüngere Kinder eine äußerst wichtige Übung, um Körper und Geist in Einklang zu bringen.

Am Boden wird mit Klebeband eine Ellipse von etwa 3-4 Metern Länge geklebt. Die Kinder können nun immer einzeln und in vielen Variationen auf dieser Linie gehen

( barfuß, rückwärts, mit einem Glas Wasser usw.)

Diese Übung bringt die Kinder sehr schnell in ihre Konzentration. Auch schult das Gehen auf einer Linie den Gleichgewichtssinn und trainiert die Koordination

von Augen und Beinen. Die gezielten, achtsamen Schritte auf der Linie bringen das Kind weg von der Unruhe im Kopf in seinen Körper und in seine Mitte zurück.

Zugleich entschleunigt das Balancieren auf der Linie sehr stark und nervöse, aufgeregte Kinder werden wieder beruhigt und geerdet.

Voraussetzung für ein Gelingen der Übung ist allerdings die gesammelte Aufmerksamkeit aller anwesenden Kinder. Durch den gemeinsamen Mittelpunkt, nämlich das

Kind auf der Linie, widmet sich die ganze Gruppe achtsam einer gemeinsamen Sache und fokussiert sich.

Das Balancieren zentriert die Kinder und zeigt ihnen ihre momentanen Stärken und Grenzen auf. Wird die Übung öfters durchgeführt, können die Kinder die

Erfahrung machen, dass ihr Gleichgewichtssinn nicht jeden Tag identisch ist, sondern von Tag zu Tag variiert.

Pädagogen machen oft die Erfahrung, dass die ruhigeren, ausgeglicheneren Kinder auch sicherer auf der Linie gehen können als die unruhigeren Kinder.

Hier wird das Zusammenspiel von Psyche und Körper besonders deutlich. Innere Ausgeglichenheit drückt sich ein Stück weit eben auch in körperlicher Stabilität aus.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Hirnforschung ist die Vernetzung und Koordination der beiden Gehirnhälften. Um das Potential des menschlichen Verstandes

möglichst umfassend nützen zu können ist eine ausgewogene  Entwicklung und Förderung beider Gehirnhälften notwendig.

Besonders effektiv sind Übungen, die die beiden Hälften ansprechen und unmittelbar miteinander verknüpfen.

Ideal hierfür ist die Beschäftigung mit dem Montessorimaterial "Große Liegende Acht."

Das Kind hält mit beiden Händen eine liegende Acht aus Holz, auf der in einer Bahn eine Kugel bewegt wird und beliebig oft dem Schwung der Acht folgt.

In einer rhythmischen Bewegung wird hier nicht nur die Geschicklichkeit und das periphere Sehen geübt, sondern durch die gekreuzte Bahn der Acht werden im

fliegenden Wechsel beide Gehirnhälften beansprucht.

Durch Kontinuität werden zwischen den Hälften neue neuronale Verbindungen geschaffen, die die geistige Kapazität des Kindes erhöhen.

Im Spiel mit der großen liegenden Acht kreuzt das Kind immer wieder mit seiner Aufmerksamkeit die Körpermitte und überschreitet sie von links nach rechts und

umgekehrt von rechts nach links.

Dieser Aspekt ist besonders im Elementarbereich und im heilpädagogischen Bereich von Bedeutung. Das Kreuzen der Körpermitte ist ja ein wichtiger

Entwicklungsschritt in frühen Jahren.

Die liegende Acht gilt auch als eine Übung der Stille, da die erforderliche Konzentration und die gleichmäßige Bewegung eine sehr beruhigende Wirkung auf das Kind

haben. Fast könnte man hier von einem meditativen Charakter des Materials sprechen.

Der Körper lernt also immer mit. Er unterstützt vielschichtige Lernprozesse durch die Entwicklung von neuen neuronalen Verbindungen.

Das gelingt am Besten, wenn mit Hilfe des Lernmaterials auf ganz verschiedenen Ebenen Lerninhalte im Gehirn verankert werden.

Hier liegt wohl ein Erfolgsrezept von Montessorimaterialien:

Sie lassen sich zunächst mit den Augen betrachten, dann mit den Händen fühlen, oft auch schmecken, riechen oder hören um schließlich, positiv verstärkt, mit dem

Verstand begriffen zu werden.

    
                                                           

                                                         

  






 







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Empowerment in der Montessoripädagogik
29.05.2017 16:53 von Marie Laschitz
Kategorie: Pädagogik

Empowerment in der Montessoripädagogik

Der Begriff "Empowerment" geht auf den amerikanischen Sozialwissenschaftler Julian Rappaport zurück und bezeichnet einen ressourcenorientierten Handlungsansatz in der Sozialen Arbeit, der Menschen dabei unterstützen möchte, ihr Gefühl von Macht- und Einflusslosigkeit zu überwinden und zu einem selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Leben zu gelangen.

Ein Sozialarbeiter leistet dabei eine Arbeit, die sich im optimalen Fall selbst überflüssig macht, nämlich wenn der Klient gelernt hat, aus eigener Kraft und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln sein Leben positiv zu gestalten.

Empowerment geht davon aus, dass in jedem Menschen zwei Seiten zu finden sind, die hilflose, unsichere und schwache Seite genauso wie die kompetente, selbstsichere und starke Seite. Lediglich die Ausprägung der beiden Seiten ist unterschiedlich stark.

Durch eine gezielte Wahrnehmung und Ermutigung kann bei jedem Menschen die positive Seite gestärkt werden. Wie ein Gärtner seine Pflanzen sät, gießt und pflegt, können wir auch im Menschen die fruchtbaren und wertvollen Samen unserer Seele nähren und pflegen, damit sie gedeihen.

In der Pädagogik ist es in jedem Fall erfolgversprechender, die positiven Eigenschaften eines Kindes zu unterstützen und zum Vorschein zu bringen, als seine Defizite wahrzunehmen und zu bemängeln. Dabei ist es wichtig, nicht grundlos zu loben, sondern ehrlich und einfühlsam die vorhandenen Ressourcen zu stärken. Nur dann kann das Kind zu einer realistischen, positiv geprägten Selbstwahrnehmung gelangen.

Dafür muss ihm aber auch der Freiraum zugestanden werden, selbst zu entscheiden, selbst auszuprobieren und natürlich auch einmal selbst zu scheitern.

Wenn bei jeder Kleinigkeit überschwänglich gelobt wird, verliert das Lob bald seine Wirkung, wenn immer Alles auf Anhieb gelingt, bleibt beim Erfolg irgendwann die Freude aus.
Empowerment heißt auch, es dem Kind zuzutrauen, mit einen Misserfolg adäquat umzugehen und daraus wichtige Erfahrungen zu ziehen.

Kinder wollen sich erproben, sie wollen beweisen, was sie können, sie wollen es selber hinkriegen. Sie dabei zu unterstützen ist die Aufgabe, nicht ihnen Dinge abzunehmen, sie sie selbst machen können.

Der wohl bekannteste Satz von Maria Montessori, "hilf mir, es selbst zu tun" zielt genau in dieselbe Richtung wie der Empowerment-Ansatz. Der Ausspruch lautet weiter:



"Zeige mir, wie es geht.

Tu es nicht für mich.

Ich kann und will es allein tun.

Hab Geduld meine Wege zu begreifen.

Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit,

weil ich mehrere Versuche machen will.

Mute mir Fehler und Anstrengung zu

denn daraus kann ich lernen."



Es brauch zweifellos viel Geduld, sich auf das Tempo der Kinder einzulassen und ihnen Fehler zuzugestehen. Doch genau hier können die Kinder Wesentliches von uns Erwachsenen lernen.
Schaffen wir es, dem Kind soviel Zeit und Raum zu lassen, wie es eben braucht oder führen wir dem Kind die Schattenseite der Erwachsenenwelt vor: ungeduldig, genervt und unfreundlich sein?

Das Kind absorbiert natürlich auch diese unguten Eigenschaften von uns, die wir ihm doch gar nicht vermitteln wollten. Und es wird durch den gereizten Erwachsenen völlig in seinem eigenen Tun irritiert.
Je mehr Negativität und Hektik auf das Kind einwirken, umso weniger kann es seine Aufgabe schnell und richtig erledigen.

Aber auch Erwachsene dürfen Fehler machen. Reißt uns mal wieder der Geduldsfaden, ist es gut, wenn wir zunächst einfach nur wahrnehmen und akzeptieren, dass wir ungeduldig sind. Wenn wir uns für die eigene Ungeduld auch noch innerlich ausschimpfen, reiten wir uns nur noch tiefer in die negativen Emotionen hinein. Statt dessen können wir versuchen, uns selbst diese Ungeduld einzugestehen und verständnisvoll damit umzugehen. Vielleicht können wir sogar dem Kind gegenüber eine Bemerkung machen, die wieder alles ins rechte Licht rückt, z. B. " Es tut mir leid, dass ich dich so gehetzt habe. Ich möchte nur, dass wir rechtzeitig zu Omas Geburtstag kommen".
So lernt das Kind, dass Fehler passieren dürfen und auch wieder gut gemacht werden können.

Es ist sehr wichtig, wie wir als Pädagogen, Therapeuten und Eltern mit unseren eigenen Schattenseiten umgehen. Gelingt es uns, sie zu integrieren, werden wir auch eine neue Intensität im Kontakt mit den Kindern erleben.



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